Frage von allocigar78, 58

Wo ist überhaupt der Vorteil einer SSD?

ein PC Techniker hat mir eine SSD empfohlen und sie mir nun eingebaut.

Nun im Nachhinein stelle ich fest, dass dies wohl alles andere als eine gute Entscheidung war.

  1. SSD haben eine kürzere Lebensdauer, da sie sehr empfindlich gegenüber Schreibzyklen sind (der PC-Techniker meinte jedoch sie sei robuster und langlebiger als HDDs - jetzt erfahre ich das Gegenteil)

  2. Datenrettung von defekten SSDs ist NOCH teuerer und komplizierter als von HDDs

  3. SSDs sind teurer als HDDs

  4. mein Rechner braucht nun länger zum Hochfahren (zumindest dann wenn meine 2 Daten HDDs auch angeschlossen sind, was aber ja unabdingbar ist)

  5. aufgrund der Empfindlichkeit gegenüber Schreibzyklen sollte ich jetzt den Ruhezustand nicht mehr verwenden, da dieser ja vor dem Runterfahren ein Abbild vom RAM auf die SSD schreibt - der Energiesparmodus ist aber für mich keine Alternative da der PC dann fast genausoviel Strom verbraucht wie wenn ich ihn ganz anlasse (33 Watt satt 45 Watt) - beim Ruhezustand hingegen kann ich ihn komplett vom Netz nehmen.

  6. Die Programmzugriffe mögen teils minimal schneller sein - aber ich würde mal sagen im kaum merkbaren Bereich

so Nachteil um Nachteil um Nachteil - wo sind denn nun die Vorteile einer SSD?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von FaronWeissAlles, 38

Ob sie eine kürzere Lebensdauer haben hängt davon ab wie schnell du die Schreibzyklen aufbrauchst. Eine 256GB Samsung 850 hat ein Rating von 75 TB, die 500+GB Modelle 150TB. D.h. du könntest 40GB pro Tag auf die SSD schreiben für 5 Jahre bis die vom Hersteller zugesicherte Mindesthaltbarkeit abgelaufen ist. 40GB schaffst du bei weitem nicht am Tag. Meine Samsung 850 256GB  hat beispielsweise 6800 Betriebsstunden hinter sich und gerade mal 8,5TB auf dem Buckel (zugegeben ohne Ruhezustand). Aber selbst mit Ruhezustand hält das Ding Jahre. Bei einer HDD mag es die Limitierung zwar nicht geben, aber es genügt ein ungünstiger Stoß und das Ding ist im Jenseits.

Ob Datenrettung teurer ist oder nicht spielt keine Rolle. Denn man macht regelmäßig Sicherungen. Und wer keine Sicherungen macht, hat den Datenverlust verdient. Auf einen Massenspeicher - egal ob SSD oder HDD - verlässt man sich nicht blind.

Sie sind zwar noch deutlich teurer pro GB, aber sie sind auch schon deutlich günstiger als sie vor Jahren waren. Entwickeln sie sich von der Kapazität weiter in den nächsten Jahren, werden HDDs auf lange Sicht verschwinden und die Preise weiter in Richtung HDD-Niveau sinken.

Wenn dein Rechner länger braucht und der Geschwindigkeitsgewinn marginal ist läuft Windows entweder nicht von der SSD oder es gibt ein anderes Problem / Flaschenhals.  Grundsätzlich empfiehlt es sich Windows auf eine SSD neu zu installieren, um solchen Problemen aus dem Weg zu gehen.

Kommentar von AnnaRisma ,

Pfeil hoch und Danke ... wenn es noch einen dritten Button gäbe, hätte ich den auch gedrückt!

Kommentar von allocigar78 ,

es wurde alles komplett neu installiert. Wie gesagt solang NUR die SSD dran hängt startet er auch zügig - sobald die HDD Kabel angeschossen sind, dauert es länger.

Sicherungen sind schön und gut aber nie aktuell - daher hatte ich bislang ein RAID1 - und nicht mal das hat mir bei meinem Problem (siehe vorige Fragen) was genutzt.

Jetzt habe ich kein RAID mehr sondern eine HDD als Daten HDD auf der anderen ein Sicherungsprogramm das 3x am Tag sichert - trotzdem weiß man nie ob es dann im Zweifel funktioniert.

Ich habe eine 250 GB Samsung EVO - sind es da dann 40 GB am Tag oder bei der 500 GB? - hätte mich der Techniker ja auch drauf hinweisen können dass das bei den 250 GB weniger ist :-(

ja und die Datensicherungen - 3x am Tag inkrementell, 1x im Monat komplett - sind ja auch Lesezyklen...

und Du meinst den Ruhezustand kann ich aktivieren (mache den nicht täglich - kommt vielleicht 1x die Woche vor)?

Kommentar von FaronWeissAlles ,

Meines Wissens sind es bei 120er und 250er 75TB, ab 500GB 150TB.

Den Ruhezustand kannst du ruhig verwenden, vor allem wenn das nur so selten ist. Problematisch wird das mit der SSD eher wenn du die Maschine zur Videobearbeitung nutzt, also ständiges Caching und Schreiben großer Dateien. Da erreichst du das Ende der Lebenszeit früher als gewöhnlich.

Deine Datensicherungen sind ja von SSD auf HDD oder HDD auf HDD, da kannst du ja schreiben so viel du willst. Und Lesen ist ja bei SSDs überhaupt kein Problem (nur Schreiben). Das mulmige Gefühl dass das Backup möglicherweise nicht funkioniert wie vorgesehn kenn ich. Solange man aber an die Daten irgendwie rankommt (auch wenn das Systemabbild nicht funkioniert, falls gemacht) ist der Ausfall wenigstens nur nervig anstatt desaströs

Kommentar von allocigar78 ,

ok hab hybernate on wieder drin

Danke Dir :-)

Antwort
von AnnaRisma, 31

Hallo allocigar,

1. SSDs sind Halbleiterbauteile und solche halten theoretisch "unendlich" lange, jedenfalls mindestens so lange, wie es die Betriebsbedingungen zulassen. Das Problem ist, dass kein Hersteller der Welt ein Produkt herstellen kann/wird, das nicht irgendwann (möglichst eine Nanosekunde nach Ablauf der Gewährleistung) verreckt ... der wäre ja mit dem Klammerbeutel gepudert ... schließlich leben wir im Kapitalismus und nicht in der Villa Kunterbunt. Und da man nun SSDs im Gegensatz zu HDDs auch mal fallenlassen kann, musste eine künstliche Obsoleszenz her ...

2. Das stimmt ... und ist einer der Nachteile von SSDs (der übrigens nicht zwingend wäre).

3. In der Herstellung sind SSDs schon längst weiiit billiger als HDDs ... schließlich handelt es sich beim Ausgangsmaterial um Sand ... zugegeben, die Entwicklungs- und Designkosten waren immens, sind aber eben längst eingespielt. Warum sollen aber die SSD-Hersteller (und die Marktkette) eine Preislawine nach unten auslösen, solange wir doofen "Verbraucher" das Geld bereitwillig hinlegen? Wenn diese Lawine denn eines Tages ins Rutschen kommt,wird es keinen Halt mehr geben, die SSD-Preise werden ins Bodenlose sinken - davor haben die Beteiligten große Angst!

4. Da stimmt etwas nicht, siehe die Antwort von Faron ... du kannst uns glauben, SSDs sind wirklich spürbar schneller ...

5. Wenn dem tatsächlich so ist (also die Lebensdauer einer SSD wirklich mit der Anzahl der Schreibzyklen korreliert), dann wäre das so. Mir ist bisher erst eine SSD verreckt, eine wenig genutzte "OCZ" der zweiten SSD-Generation (die teuerste, die ich je erwarb). Alle anderen laufen, egal ob viele oder wenig Zyklen ...

6. Klar, viele Elemente befinden sich im normalen PC-Betrieb ja im Arbeitspeicher (oder gar im CPU-Cache) ... selten muss etwas "von der Festplatte nachgeladen" werden. Der Vorteil der höheren Geschwindigkeit einer SSD macht sich eben nur dann bemerkbar, wenn Daten von ihr oder auf sie fließen.

wo sind denn nun die Vorteile einer SSD?

Nun, neben der schon erwähnten höheren Geschwindigkeit wäre da die Erschütterungsunanfälligkeit zu nennen. Endlich ist das wahr geworden, was uns die Werbung immer vorgaukelte: Bildschirm einklappen und zack - ab in die Tasche mit dem Klapprechner (wie viele mechanische Platten bekamen früher dadurch regelmäßig einen "Schlag"?  Die SMART-Statistik einer jeden Notebookfestplatte weiß ein schmetternd Lied davon zu singen.

Dann gibt es da noch die absolute Geräuschlosigkeit ... manche Mechanikgräber waren so laut, dass man seinen Sitznachbarn in der Bibliothek am liebsten erwürgt hätte ... und nein,es war nicht der Lüfter!

Sie können wesentlich kleiner gebaut werden, naturgemäß "verbrauchen" sie weniger Strom (auch wenn sich das derzeit noch nicht bis zu jedem Hersteller herumgesprochen hat) und erzeugen somit weniger Wärme. Das verlängert die Akkulaufzeit bei Notebook ein wenig und die "Ersatzreisebügeleisen" von ehedem sind endlich Geschichte.

Ich könnte die Liste noch fortsetzen (Gewicht und, und, und ...), merke aber abschließend nur noch an, dass mechanische Komponenten in Computern einfach nichts zu suchen haben ... oder willst du die mechanisch betriebene "CPU" des Zuse Z1 wieder haben?

Kommentar von AnnaRisma ,

Und um Missverständnissen vorzubeugen ... ich bin ziemlich kapitalismuskritisch eingestellt!

Kommentar von allocigar78 ,

Danke für die Antworten


1. also wenn es sich noch nicht mal um technische Schwierigkeiten sondern um geplante Obsoleszenz handelt, wären das noch 10 Gründe mehr gewesen, die SSD zu boykotieren.

Allerdings wiederspricht Dein 1. dann 5. - da schreibst Du ja "wenn es so WÄRE" mit der Abhängigkeit der Schreibzyklen

2. und warum müsste das nicht sein dass es komplizierter ist?

4. nutzt mir nur nichts - auch wenn was nicht stimmt - ich habe mit meinem Problem, dass mein Rechner nicht mehr hochgefahren ist (siehe frühere Fragen) nun zwei PC-Techniker "verschlissen" - HDDs prüfen, neu formatieren, Mainboard reseten, Mainboard zur Reparatur einsenden, Mainboardtausch - alles nichts gebracht - der erste wusste nicht mehr weiter, der zweite hat ihn jetzt zumindest zum Laufen gebracht - allerdings erst seit 4 Tagen - zwischendurch schaffte das der erste Techniker auch mal für 5 Tage - also kann noch nichts abschließendes sagen - jedenfalls war ich die letzten über 2 Monate dadurch komplett ohne PC.

Ja aber auch der 2. Techniker sagt es sei zwar komisch, aber er könne nichts dran ändern.


6. also auch der Geschwindigkeitsvorteil nur ein rein theoretischer da ja das meiste im RAM ist - und da ich 16 GB RAM habe ist da wohl recht viel drin


Bildschirm zuklappen: mag bei einem Laptop ein Vorteil sein - ich habe aber einen Desktop-PC


Geräuschlosigkeit: habe ich trotzdem nicht, es laufen ja nach wie vor genau die zwei HDDs die vorher auch liefen - durch die zusätzliche SSD jetzt somit sogar etwas mehr Stromverbrauch (wobei das seltsamerweise kaum ins Gewicht fällt)





Kommentar von AnnaRisma ,

Also widersprechen tu ich mir sogar oft ... letztlich setze ich mich aber quasi immer gegen mich durch und behalte recht ... ;-)

Aber in dem Fall hab' ich mir gar nicht widersprochen, denn ich schrieb nicht "Wenn dem so wäre ...", sondern "Wenn dem ... so ist ...", dann wäre ...

Denn tatsächlich weiß ich nicht, was die SSD-Entwickler und -Hersteller genau gemacht haben ...

Ich selbst komme aus dem Elektronikbereich, mein Wissen stammt jedoch überwiegend aus der "Pre-Computer-Ära". Und dieses Wissen besagt nun, dass jeder Leistungstransistor in einem HiFi-Verstärker an seinen P/N-Übergängen ständig bis zu rund 20000mal pro Sekunde mit veränderten Zuständen "leben" muss. Der wirft ja auch nicht nach drei Stunden das Handtuch weil das Maß an Zustandsänderungen erreicht ist.

Klar, "das kann man nicht vergleichen" wird mir ein SSD-Designer zuraunen ... will ich auch gar nicht ... Fakt ist, dass man Halbleiterspeicher so bauen kann, dass er "unendlich" hält. Aber wie gesagt ... wer will das schon?

Kommentar von allocigar78 ,

ICH will das! - und ich gehe mal davon aus JEDER andere Endverbraucher hat ebenfalls nichts dagegen. Ich persönlich gebe gern ein paar Euro mehr für Produkte aus, die mir eine lebenslange Garantie gewähren. Denn dann kann ICH entscheiden ob ich mal wieder etwas neues möchte, oder es weiter nutzen/reparieren lassen möchte

Kommentar von AnnaRisma ,

Glaub' ich dir ja ... nur leider hört man das allzu oft und meist werden eben doch die Superschnäppchen gekauft (kann man ja auch nicht ganz abtun, schließlich bleibt so etwas mehr Geld im Geldbeutel - wenn auch nur zunächst und wahrscheinlich nur scheinbar ...).

Vom ehemaligen Fahrzeughersteller "Borgward" und - etwas aktueller - Fernsehgeräteproduzenten "Loewe" wird immer wieder betont, dass u. a. die "zu lange Haltbarkeit" der Produkte für die Pleite mitverantwortlich war. Im Zeitraum, in dem "LG" oder "Samsung" zwei Geräte an einen Kunden verkauften, war es bei "Loewe" nur eines.

Ansonsten rennst du bei mir offene Türen ein. Ich gehöre zu den wenigen im Land, die sich in fast allen Fällen weigern, Dinge wegzuwerfen, benutze keine Plastiktüten etc., repariere alles, solange es irgendwie geht, und werde deshalb nicht gerade selten geschnitten.

Nur ... diese Welt richtet sich nicht nach mir, sondern nach denen, die wirkliche Macht haben, nicht ein, zwei Millionen sondern hunderte Milliarden ... (also nicht, dass du jetzt denkst, ich hätte ein, zwei Millionen ... ich versuche, weitgehend ohne Geld auszukommen, vollständig wird es mir aber wohl nie gelingen - Hut ab, vor den paar Wenigen, die das echt durchziehen!)

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