Frage von DaSu81, 40

SSD: möglichst lange optimale Nutzung behalten - was gibt es für Möglichkeiten?

Hallo liebe CF-Community.

"SSD's sind nur einmal beschreibbar = die Abnutzung sei hier relativ groß", heißt es ja. Gibt es hier User/-innen mit Erfahrungswerten oder jemanden, der kompetente & nachvollziehbare Ratschläge geben kann (also nach Möglichkeit mit kurzer Begründung) , wie allgemein mit SSD's am Besten umgegangen sollte, um den "Verschleiß" durch Abnutzung bei SSD's möglichst gering zu halten?

Also ausgegangen von der Annahme, dass ein PC ausschließlich mit SSD ausgestattet ist,

  • wäre es dann sinnvoll eine externe Speicherart zusätzlich zu wählen und auf dem PC selber nur die Programme zu installieren und die selbst erstellten Dateien, Dokumente, Bilder, usw extern abzuspeichern? (Mit "externer Speicherart" sind gemeint: div. Sticks, CD's, DVD's, externe FP [u.U. als HDD oder Hybrid, sofern es auch bei externen FP einen Typen bestimmen kann],...)

  • oder wäre das evtl gar nicht notwendig, (weil...?),

  • oder... gibt es u.U. noch andere "Möglichkeiten" zum Lösen des Verlust-Problemes?

Auf mögliche Antworten bin ich gespannt. Dankeschön, DaSu81

Antwort
von sotnu, 8

""SSD's sind nur einmal beschreibbar = die Abnutzung sei hier relativ groß", heißt es ja."

Nein, das stimmt nicht, man kann eine SSD nicht unendlich beschreiben, aber sicher nicht nur einmal, das ist Blödsinn!

Wie oft man eine SSD beschreiben kann ist bei einem seriösen Verkäufer oder Hersteller angegeben. Ich würde allerdings auf die Daten von den Herstellern schauen und nicht auf die, der Verkäufer. Es gibt 3 (von mir bekannte) "Langlebigkeitsangaben".

1. TBW (Terabytes written, also wie viele Terrabytes du max. schreiben kannst). Das könnte theoretisch auch GBW oder PBW heissen (G für Giga, P für Peta). Das ist übrigens genau bei den Evo's nur mittelmässig.

2. DWPD (Drive writes per day, also wie viele ganze Kapazitäten der jeweiligen SSD du pro Tag beschreiben kannst. Mit der angegeben Grantie des Herstellers zusammen, kann man sich dann auch wieder die TBW ausrechnen)

3. MTBW ( Mean Time Between Failure) Diesen Wert kann man eigentlich grad vergessen, denn er ist immer so hoch, das man diesen Wert vergessen kann. Habe noch keine SSD gesehen, bei dem dieser Wert nicht genug hoch wäre.

(Ach nein, mir fällt noch eine 4. ein: Die Schreibzyklen pro Zelle. z.B 3000 Mal)

TRIM: Kurz gesagt: Die Daten müssen vor jedem Neubeschreiben gelöscht werden (nicht einfach überschreiben, sondern zuerst löschen, dann neu schreiben). Das würde die SSD irgendwann verlangsamen und TRIM ermöglicht, dass nicht mehr benutzte Bereiche schon vor der Wiederverwendung gelöscht werden. Somit muss man nicht noch vor jedem Schreibvorgang löschen, sondern kann gleich loslegen. Das wird vom Betriebssystem gesteuert und muss daher auch unterstützt werden.

Warum nicht Defragementieren ? 1. Eine SSD hat wie gesagt nicht unendlich Schreibvorgänge, deshalb würde man mit dem Defragmentieren nur unnötige Schreibvorgänge "verbrauchen". Man könnte jetzt natürlich, dass man lieber eine schnellere SSD hat und sie dafür weniger lang lebt, aber nein, das geht trotzdem nicht.

2. Da die Schreibzyklen wie gesagt begrenzt sind, schaut man, dass man möglichst spät wieder den selben Bereich beschreibt. Kurz gesagt: Wenn eine SSD jetzt 1 Million beschreibbare Zellen hat, wird die 1. beschrieben erst wieder beschrieben, wenn alle anderen (freien) Zellen beschrieben wurden, um zu schonen. Das heisst es gibt nie eine Ordnung, eine Defragmentierung würde garnichts nutzen. Die Defragmentierung wird übrigens automatisch abgestellt, wenn man ein halbwegs aktuelles und gängiges Betriebssystem hat (à la Win7 z.B). Ich würde es aber trotzdem manuell kontrollieren.

SLC, MLC und TLC (single level cell, multi level cell und tripple level cell). Das heisst so viel wie, dass pro Zelle ein (single), mehrere (multi) oder drei (tripple) bits gespeichert werden können. Multi heisst aber normalerweise 2, da es sich einfach so etabiliert hat.

SLC>MLC>TLC (>= besser). SLC ist unbezahlbar, MLC ist teuer und TLC ist billig. Da ja mehr bits pro Zelle geschrieben werden können, ist auch mehr Speicher für weniger Geld möglich. Allerdings sollen sie langsamer sein und weniger langlebig (das sieht man z.B bei Samsung's EVO SSD's, die verwenden TLC und leben weniger lange als die PRO's welche MLC verwenden). Heisst jetzt aber nicht, dass die mit den TLC Speicherzellen schlecht sind, ich habe auch so eine und bin zufrieden.

Übrigens: Nur wei MLC besser als TLC ist, heisst das nicht, dass auch die ganze SSD besser ist. Die SSD kann auch sonst einfach beschissen sein.

"wäre es dann sinnvoll eine externe Speicherart zusätzlich zu wählen..."

Kommt darauf an. Wenn du jemand bist, der z.B des öfteren viele Bilder oder Videos bei sich abspeichert (oder allgemein grosse/viele Dateien), dann ja, sonst nein. 


"oder... gibt es u.U. noch andere "Möglichkeiten" zum Lösen des Verlust-Problemes?"

Du kaufst dir eine SSD die langlebig ist oder was meinst du mit Verlustproblemen ?

Ansonsten gibt es noch sowas wie Schreib-und Lesegeschwindigkeit, Zugrifsszeiten und iOPS. Das sind dann werte, die für die Geschwindigkeit aussagekräfig sein können. Allerdings, und das gilt bei jeder Hardware, sollte man immer noch zusätzlich Tests lesen.

Mehr fällt mir gerade nicht ein.

Edit: Dann gibt es noch Schnittstellenstandarts wie IDE (sollte man nicht nutzen bei einer SSD) AHCI oder NVMe. AHCI ist über S-ATA die richtige wahl, NVMe ist über PCI-E die beste Wahl, da kenne ich mich aber nicht sehr gut aus. Habe mich da noch nicht so gross eingelesen.


Kommentar von DaSu81 ,

Dankeschön für deine ausführliche Antwort! ;-) 

Kommentar von sotnu ,

Bitte, bei anfallenden Fragen, meld dich.

Kommentar von DaSu81 ,

Erstmal ganz lieben Dank für deine Ausführliche Antwort!

Okay, ich kann die SSD anscheinend doch mehr als 1 mal beschreiben, aber... => Ist es denn nun sinnvoll die Dateien NICHT auf der SSD-Festplatte, sondern auf einer externen Festplatte zu speichern, damit auf der SSD-Festplatte nicht zuviele Speichervorgänge stattfinden? Das hab ich irgendwie noch nicht rausgelesen...

Kommentar von sotnu ,

Also erstmal: Es gibt keine Allrounderantwort. Das kommt immer auf das Nutzverhalten von der Person an.

Also es gibt ja wie gesagt die TBW Angaben (siehe oben). Wenn man jetzt als Beispiel die SSD 850 Pro nimmt. Die hat eine Garantie von 300TB also 300'000GB und 10 Jahre Garantie. Jetzt kann man z.B diese 300'000GB durch 10 (Jahre), dann durch 365 (Tage) teilen und man hat dann einen Durchschnittswert pro Tag. (Das wäre in dem Fall 82 GB pro Tag).

Die Frage ist jetzt, wie viel DU denn so brauchst. Was genau hast DU denn mit deinem Rechner alles vor? Wenn du nur ein bisschen im Internet surfst, vlt. mal ein Spiel spielst und vlt. auch noch mal ein paar wenige Fotos/Videos/Textdokumente ect. drauf hast, dann brauchst du ganz bestimmt keine zusätzliche Festplatte (eine (externe) Festplatte um Daten zu sichern, ist aber trotzdem keine schlechte Idee). Wäre demnach nützlich zu wissen, was genau du mit dem Rechner alles anstellen willst.

Wenn du allerdings einfach sehr viele Daten hast, die du einfach nicht dauerhaft auf der SSD lagern kannst (mangels Platz), dann bleibt dir nichts anderes übrig als eine zusätzliche Festplatte zu besorgen.


Kurz gesagt: Wenn du wenig Daten speicherst, brauchst du keine, wenn du viele Daten speicherst schon.

Was ist denn viel ?: Naja, viel ist, was deiner möglichen TBW zu nahe kommt oder sie überschreitet. Oder natürlich die Kapazität deiner SSD. Kommt also auch auf die SSD an.

Grundsätzlich kann man auch sagen, dass man eine SSD für Programme brauchen sollte und nicht als Massenspeicher. Andere behaupten genau das Gegenteil und sagen, man soll nur die allerwichtigsten Programme von der SSD ausführen lassen, um Schreibzyklen zu sparen. Aber mal ehrlich, für was kauft man sie dann? Um sie nicht zu gebrauchen ? Ich kaufe mir auch keinen Schuh, aber laufe nie damit, weil er sich ja noch abnutzten könnte...

Grundsätzlich ist es aber schwierig zu sagen, was ein anderer jetzt braucht, wenn man nicht weiss, wie denn so der Alltag für deinen Rechner aussieht. Ich würde sagen, 20 GB pro Tag für durchschnittliche Nutzung sollte gut reichen.

Ich habe für meinen Laptop, mit dem ich nur surfe und Arbeiten erledige die Samsung SSD 850 EVO genommen und bin zufrieden damit. Habe sie allerdings erst seit einem halben Jahr.

Noch ein Wort zur Kapazität: Die verschiedenen grössen der SSD (64GB, 128GB, 256GB, 512 GB ect.) habe nicht nur auf die Grösse Einfluss, was man wohl denken könnte. Selbst wenn die Bezeichnung der SSD ansich genau gleich ist. Die SSD's unter 256GB sind unterm Strich nicht empfehlenswert. Die sind erstens Preis-Leistung-mässig viel zu teuer und 2.ist die Leistung meistens nicht so berauschend. Also mein Tipp: Mindestens 256GB kaufen, das ist im Moment die beste Grösse, für den Normalo.


Es gibt übrigens das Gratis-Programm HddLed, womit man die Schreib.und Lesevorgänge auslesen kann. Daher bin ich auch auf die 20 GB pro Tag für Normalos gekommen. Ich brauche z.B viel mehr.



Antwort
von Loris, 21

Das SSDs so schnell abgenutzt sein sollen, höre ich zum ersten Mal.

Gerade die Evo 800er Reihe von Samsung ist qualitativ sehr gut.

Das einzige was mir einfällt: Eine SSD soll / darf nicht defragmentiert werden.

Kommentar von DaSu81 ,

Naja, "abgenutzt" ist wahrscheinlich schlecht formuliert. Gemeint ist, dass dort Speicherplatz lediglich 1 mal beschrieben (= nicht überschrieben) werden kann. Stimmt das also gar nicht!?! 

Kommentar von DaSu81 ,

Ich könnte es sicherlich ergooglen, aber vielleicht magst du ja auch erklären, weshalb man SSD'S nicht defragmentieren darf!?!

Danke übrigens für deine Antwort! ;-) 

Kommentar von sotnu ,

Das man jeden "Speicehrplatz" nur einmal überschreiben bzw. beschreiben kann, stimmt sicher nicht! Das würde bedeuten, du kannst genau 256 GB bei einer 256 GB SSD schreiben. Das würde niemand kaufen!

Ich habe zwar auch eine EVO, die sind qualitativ auch gut, aber eben auch "nur" 2. Klasse.

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